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    © 2015 Dr. Graumann-Brunt

Eingangstür geschlossen Dr. Sigrid Graumann-Brunt


13. Gedächtnis, Vorrats-
haltung und Lernen







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Gedächtnis, Vorratshaltung und Lernen

© Dr.Sigrid Graumann-Brunt

Hat Gedächtnis mit Vorratshaltung zu tun? Ja, eine Menge. Gedächtnis wird mit Vorratshaltung in Verbindung gebracht, denn sein Ursprung liegt darin, dass gesammelte Vorräte wieder gefunden werden müssen. Der Ort dieser Vorräte ist natürlicherweise wichtig. Deshalb ist beim sog. „räumlich visuellen Skizzenblock“, der ersten Gedächtnisstrategie, die Ordnung im Raum eine wichtige Komponente. Vorräte wurden und werden auch „erschnüffelt“ deshalb spielt zusätzlich der Geruchssinn beim Gedächtnis eine Rolle, an Gerüche erinnert man sich besonders früh und intensiv.

Gibt es dafür Beweise? Ja, bei Intensivierung der Vorratshaltung wächst bei Tieren der Hippokampus, (Ort bestimmter Prozessoren des Gedächtnisses).
Männchen einer bestimmten kleinen Säugetierart leben in der Savanne polygam, die im Wald haben aber nur eine Partnerin. Die in der Savanne haben einen größeren Hippokampus als die im Wald; schließlich müssen sie sich merken, wo ihre verschiedenen Familien, die sie abwechselnd besuchen, wohnen. Das Problem haben die im Wald nicht

Hat die Vorratshaltung auch beim modernen Menschen einen Bezug zur Entwicklung des Gedächtnisses? Ja, zumindest einen indirekten! Man kann davon ausgehen, dass das Betreiben von Vorratshaltung die Entwicklung des Gedächtnisses fördert. In einer Familie, in der Vorräte (im weitesten Sinne) angeschafft und verwaltet werden, existiert ein konkretes Vorbild für die „Anschaffung und Verwaltung“ auch von Gedächtnisinhalten.

Sollte ein Kind an Gesprächen und Aktivitäten, die die Vorratshaltung betreffen, teilnehmen? Auf jeden Fall, natürlich in einer seinem Alter und seiner Kompetenz entsprechenden Form! Neben dem Führen eines Taschengeldkontos in irgendeiner Form kann man Schulkindern vollverantwortlich die Aufgabe der Verwaltung eines Vorratsbereiches übertragen (Milch, Zucker, nicht unbedingt der Schokolade). Schüler können (persönliche Erfahrungen) bereits im Verlauf des 2.Schuljahres in der Schule Material verwalten und das äußerst effektiv!

Sollte man sich bei Problemen einmischen? Nur im Notfall. Erfahrungen müssen selbständig gesammelt und verarbeitet werden. Der Vorratsbereich, der zur Verfügung gestellt wird, sollte so sein, dass Fehler nicht zu Katastrophen führen (z.B. würde das bei Brot u.U. der Fall sein). Ansonsten müssen Fehler toleriert werden, meist führen sie zu weiteren Lernschritten.

Die Wahrnehmung solcher Aufgaben hat weitere Vorteile: Das Kind wird nicht nur versorgt, sondern trägt zur Versorgung der Familie bei. Verantwortungsbewusstsein und Selbstwertgefühl werden gesteigert, die Bindung an die Alltagsrealität verbessert. Das Kind wechselt vom „versorgten Objekt“ zum handelnden Subjekt und wächst allmählich in die Wahrnehmung von Aufgaben des Alltags hinein.

Kann Schaden entstehen? Nur bei Überforderung, deshalb muss vorher sorgfältig überlegt werden, was vorgeschlagen werden soll. Z.B. sind Kinder manchmal mit der Versorgung von Tieren überfordert, manchmal nicht.

Was hat Vorratshaltung mit Lernen zu tun? Vorratshaltung hat mit Gedächtnis zu tun und Lernen ist wiederum mit Gedächtnis untrennbar verbunden. Wir lernen für spätere Zeiten. [Schleiermacher: Beim Lernen (auf jeden Fall von Kulturtechniken) opfert man einen gegenwärtigen Augenblick für einen späteren auf]. Wird das Kind mit Vorratshaltung befasst, so wird auch eine Türe für das Verständnis geöffnet, dass es nicht falsch ist, die Zukunft vorzubereiten.
Mehr dazu steht im Heft 6.Gedächtnis und Reste nicht ausreichend integrierter frühkindlicher Reflexreaktionen , weitere Literatur auf Nachfrage (per e-Mail).

Den Text zum Thema Gedächtnis, Vorratshaltung und Lernen als pdf-Dokument und zum Drucken finden Sie hier: Klicken Sie dazu in das Quadrat: